Parthenon

Antikes Griechenland:
Die Phylenreform des Kleisthenes

von Björn Böhling

6.2.2. Themistokles – Der Initiator des Flottenbauprogramms

Themistokles wurde wahrscheinlich 493 Archon in Athen. Er stammte aus dem alten und angesehenen Adelsgeschlecht der Lykomiden. In der Volksversammlung konnte er durch Redekunst und Enthusiasmus, während Miltiades noch in seinen Prozess wegen der Tyrannis verstrickt war, die Menge zum Widerstand bewegen. Der „Gedanke eines bewaffneten Widerstandes gegen den Großkönig, den man fast schon aufgegeben hatte“, gewann erneut an Geltung[79]. Doch er musste sich zunächst Miltiades geschlagen geben, der die Landkriegsführung im Gegensatz zum Ausbau der Seeherrschaft favorisierte und in Athen zunächst von größerem Ansehen und Einfluss war. Außerdem gab es finanzielle Probleme bei der Umsetzung der Pläne des Themistokles. Der Erfolg von Marathon schien Miltiades Recht zu geben, und erst als er verstarb, konnte Themistokles seine eigenen Pläne erneuern. Es gelang ihm die Theten in die Ekklesia zu bringen, d.h. sie für ihn zu mobilisieren. Sie sahen ihn fortan als Anwalt ihrer Sache. Durch die Masse konnte er an Einfluss in Athen gewinnen. Politische Gegner wurden ostrakisiert und durch die erreichte Verfassungsänderung, die Reform des Archontenamtes[80] ausgeschaltet, bis nur noch er selbst als Demagoge, später auch als Stratege, und Vertrauensmann des Volkes übrig blieb[81]. In sein Amtsjahr fiel wohl der Bau der Befestigungsanlagen im Piräus, die, wie vermutet wurde, als Schutz gegen Freibeuter dienen sollten, die Athen damals noch nicht wirksam bekämpfen konnte. Er verfolgte mit dem Flottenbau kein verfassungspolitisches Programm. Er hatte lediglich militärische Gründe, nämlich die maritime Rüstung Athens zur Abwehr der zu erwartenden persischen Invasion. Dass sein Programm dennoch massive Demokratisierungseffekte hatte, war zwar nicht gewollt, aber doch von Bedeutung, da er eine neue wirksame Waffe schaffen konnte, ohne andere dafür einzuschränken. Herodot sagt, Themistokles hätte den Antrag gestellt, 200 neue Trieren für den Krieg gegen Aigina zu bauen[82]. Dies kann so nicht stimmen. Er hätte die Volksversammlung mit dieser Begründung nicht zu dieser gigantischen Investition drängen können, da Aigina zwar der Feind Athens, aber nicht so lebensbedrohend wie die Gefahr durch die Perser war. Wahrscheinlicher ist, dass Themistokles in der Volksversammlung neben die Persergefahr die Tatsache stellte, dass sich das stolze Athen bei jedem Konflikt Schiffe bei seinen Nachbarn ausleihen müsse. Auch dies musste die Athener überzeugen. Die Finanzierung des Flottenbauprogramms geschah wahrscheinlich 483 durch Einkünfte aus gerade entdeckten Silberadern im Bereich von Laurion. „Gegen die Opposition konnte ... [er] durchsetzen, daß dieser Gewinn nicht an alle Bürger verteilt, sondern für den Bau einer völlig neuen Flotte ... verwendet wurde.“[83]

Im Folgenden werden die militärischen Konflikte Athens nach der Reform dargestellt[84], um Zusammenhänge zwischen Neustrukturierung und militärischem Erfolg zu untersuchen.

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[79] Schachermeyer, F., S. 40.

[80] Die Archonten wurden ab 487/86 nicht mehr gewählt, sondern aus von den Demen vorgewählten Kandidaten durch das Los bestimmt. Ein Archon hatte damit nicht mehr die herausragende Stellung inne und war nicht mehr Vertrauensmann des Volkes, sondern nur noch ein Zufallsprodukt. Die Kandidatur blieb auf die ersten beiden Besitzklassen beschränkt.

[81] Hier wird auf Schuller, W., S. 31 stark verkürzt Bezug genommen. Vgl. auch Welwei, K.-W., S. 46, Meier, C., S. 269f, Schachermeyer, F., S. 45.

[82] Herodot 7,144,1-7,144,2.

[83] Murry, O., S. 349.

[84] Aufgrund der Komplexität der Schlacht von Salamis wird hier nicht auf sie eingegangen und nur festgestellt, dass sie für die Athener einen immensen Erfolg darstellte und somit das Flottenbauprogramm des Themistokles und seine Maßnahmen rechtfertigte. Zu Salamis sei auf die einschlägige Literatur verwiesen (Siehe u.a.: Dahlheim, 162ff, Welwei, K.-W., S. 51ff, Herodot Buch VIII.).
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