Parthenon

Antikes Griechenland:
Die Phylenreform des Kleisthenes

von Björn Böhling

7.1. Angriff des Peloponnesischen Bundes

Aufgrund der Angst der Athener vor einer spartanischen Invasion nach dem schmachvollen Abzug des Königs Kleomenes I. 508/07 wurde versucht, eine Allianz mit dem Perserreich zu schmieden. Wahrscheinlich durch einen Beschluss der Ekklesia wurde eine Gesandtschaft zum Satrapen Artaphernes nach Sardeis entsandt, die über die Unterwerfung der Athener verhandelte und sich nach der Rückkehr schweren Vorwürfen wegen Kompetenzüberschreitung stellen musste[85]. Es ist deshalb zweifelhaft, ob die Ekklesia diese Abmachung mit Artaphernes umsetzte, was wiederum als Provokation für die Perser wirken musste, da die Unterwerfung ja eigentlich schon beschlossen war. Die kleisthenische Ordnung war aber inzwischen soweit gefestigt, dass der Demos alles ablehnte, was ihn wieder um seine erst kürzlich erworbenen Rechte und Pflichten bringen konnte. Die Athener waren „durch die Ablehnung [der persischen Forderungen] zu offenen Feindseligkeiten gegen Persien fest entschlossen.“[86]

Aufgrund der Thematik soll hier nicht weiter auf den Kampf zwischen den Spartanern, Boiotern, Chalkidiern auf der einen Seite und den Athenern auf der anderen Seite eingegangen und der wahrscheinliche Ablauf nur in aller Kürze festgehalten werden[87]: Athen versuchte einen Angriff auf die in Eleusis stehenden Truppen des Peloponnesischen Bundes. Im spartanischen Lager kam es, als das Gerücht eines Bündnisses zwischen Athen und den Persern bekannt wurde, zu Streitigkeiten mit der Folge, dass sich einige Bundesgenossen den Spartanern verweigerten, worauf sich der Kampfverband auflöste. Die Athener konnten danach die Boioter, sowie die Chalkidiern schlagen[88]. Um sich auszudehnen und um Schutzbarrieren weit vor Athen zu errichten bemächtigten sich die Athener in der Folgezeit mehrerer Gebiete und Inseln. Dazu gehörten Besitzungen auf Euboia, Salamis, Lemnos und wahrscheinlich auch Imbros. Die Volksversammlung ebnete dafür den Weg, indem es nun erlaubt war, Ländereien einer unterlegenen Polis für athenische Bürger in Anspruch zu nehmen. Spartas Versuch, nach dem Fiasko von Eleusis erneut gegen Athen vorzugehen und den sich in Sigeion befindlichen Extyrannen Hippias in Athen einzusetzen, scheiterte endgültig, da die Bundesgenossen ihre Unterstützung verweigerten[89].

[85] Vgl. Herodot 5,73,3.

[86] Herodot 5,97,1.

[87] Vgl. Herodot 5,74,2-5,77,3.

[88] Zusätzlich zu der Niederlage mussten die Chalkidier noch Ländereien in Chalkis an Athen abtreten, das 4.000 Athener dort ansiedelte.

[89] Vgl. Herodot 5,91,1-5,94,1.
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