Parthenon

Antikes Griechenland:
Die Phylenreform des Kleisthenes

von Björn Böhling

4.2. Lage und Aufgabe der Trittyes

Die Trittyes mischten nicht nur die Bevölkerung einer Phyle, sondern, und das ist von wichtiger Bedeutung, sie waren der Aushebungsbezirk für Heer und Flotte[41]. Allerdings waren die Trittyes als Organisation kaum an politischen Gremien beteiligt. Sie waren „daher eher rechnerische Einheiten als lebendiger Bezirk.“[42] Trotz dieser Feststellung bleibt ein Restzweifel, da Trittyes eigenen Besitz und eigene Kulte hatten und die Prytanielisten des Rates wegen der gleichmäßigen Verteilung aller Athener, nach ihnen geführt wurden[43].

Trittyes einer Phyle grenzten in Ausnahmen auch aneinander. Eine Möglichkeit der Erklärung bietet Aristoteles. Nach ihm wurden die Trittyes jeder Phyle zugelost. Es konnte sich also durchaus um durch den Zufall entstandene Trittyeslagen handeln. In der Forschung ist diese Frage noch immer ungeklärt und umstritten. Alternativen zu der quellengetreuen Interpretation wären beispielsweise die Rücksicht auf ehemalige Machtzentren von Adligen, die nicht auseinander gerissen werden sollten, also eine pro-aristokratische Lösung, oder die Trittyeslagen als unumgängliche Notwendigkeit, da viele verschieden groß waren und Kleisthenes sie ausbalancieren musste, wenn er am Ende in den Phylen eine gleiche Anzahl von Bürgern haben wollte. Warum nun einige Trittyes wirklich aneinander grenzten, wird wohl nicht mehr rekonstruierbar sein, allerdings geht die Forschung dazu über, die letzte Möglichkeit als die plausibelste zu nennen[44]. Dass die Trittyes verschieden groß waren, ergab sich aus dem Versuch, schon auf dieser Ebene eine möglichst gleiche Anzahl von Bürgern zu schaffen. Hierbei spielte das Verhältnis von Demengröße und Anzahl der Demenmitglieder eine Rolle, d.h. je weniger Menschen in dem Gebiet einer Trittys lebten, desto größer musste es sein.

[41] Für weitere Motive der Trittyesbildung sei auf den Aufsatz von Jochen Martin verwiesen, da eine eingehende Diskussion in diesem Rahmen nicht möglich ist. Nach Peter Siewert seien Trittyes nicht als Unterabteilungen des Heeres, aber als solche der Flotte überliefert. Die bürgerlichen Flottenmannschaften seien nach Phylen und Trittyes geordnet worden (vgl. Siewert, Peter: Die Trittyen Attikas und die Heeresreform des Kleisthenes, München 1982).

[42] Bleicken, J., S. 189.

[43] Vgl. Martin, J., S. 15. Jochen Martin schließt nicht ganz aus, dass die Trittyes als Bindeglied zwischen zentralen und lokalen Strukturen gedient haben können. Dem ist nicht zu widersprechen, allerdings ist die Zuordnung der modernen Kreise (wie unten beschrieben) nach Jochen Bleicken schon den Demen angemessen, so dass für die Trittyes hier wohl eine zentralere Instanz gewählt werden müsste.

[44] Bei den Enklaven, Insellagen von Demen in einer Trittys, die aber nicht zu diesem gehörten, wird allerdings davon ausgegangen, das Kleisthenes dadurch alte Abhängigkeiten besonders zerstören wollte. Welwei wirft dem gegenüber die Frage auf, ob diese Enklaven zur Zeit des Kleisthenes überhaupt schon existierten, vgl. Welwei, K.-W., S. 12. Zu der Diskussion der Trittyesblöcke vgl. Siewert, Peter, S. 25ff.
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