![]() |
|
||
5. Die innenpolitische Bedeutung der Reform
Kleisthenes wirkte tief in die traditionelle attische Gesellschaft ein und veränderte sie in einer ausgesprochenen Radikalität grundlegend. Dies tat er, wie u.a. Christian Meier richtig konstatiert, nicht nur durch eine Verfassungsänderung, sondern, wie oben beschrieben, durch eine fast völlige Neuformierung der Bürgerschaft. Der Einfluss der Adligen war endgültig gebrochen[52]. Ihre Bindungen zur athenischen Bevölkerung durch Abhängigkeit waren durch die Neueinteilung der Phylen, Trittyes und Demen zerrissen. Landschaftliche Sondereinflüsse oder Vorrechte gab es nicht mehr. Attika war im aristotelischen Sinne vermischt und in einem übergeordneten Sinn vereinheitlicht worden[53].
[52] Damit ist nicht ein Verschwinden der Adligen aus der Gesellschaft gemeint. Nur die Herrschaft der Adelshäuser war beendet. Die Adligen konnten weiter wichtige Ämter besetzen, wenn sie sich und ihr Handeln in den Dienst des Demos stellten. Die Adelskämpfe wurden nun in der Volksversammlung ausgetragen, wo sich die Macht zentrierte, vgl. Dahlheim, W., S. 154. Man beachte dabei auch die Notwendigkeit der Partizipation, da Führungsqualifikationen (Bildung, Erfahrung, Beziehungen, politische und militärische Ausbildung) auf Seiten der Bauern nicht, dafür aber aus Tradition beim Adel, vorhanden und die Polis darauf angewiesen war.
[53] Die Vereinheitlichung entstand durch die Aufteilung und Untergliederung der Athener in Organisationsstrukturen, die sich pyramidenförmig an der Spitze zum ganzen Staat der Athener vereinigten (Demen – Trittyes – Phylen – Polis). [54] Ehrenberg, Victor: Der Staat der Griechen, Zürich 19652, S. 36. [55] Bei der entstandenen Gleichheit der Bürger darf nicht übersehen werden, dass keine universelle Gleichheit bestand. So blieben z.B. die Theten bis ins 4. Jh. hinein in Athen vom Archontat ausgeschlossen. Außerdem galt Gleichheit nur für athenische Staatsbürger. Sklaven und Ausländer (Metöken) durften nicht politisch partizipieren. Von einer Isonomie aller in Athen lebender Menschen war man also noch sehr weit entfernt. [56] Zu den Aufgaben des Rates siehe Bleicken, J., S. 224-240, Aristoteles, AP 43,2-43,3; Kron, U., S. 23f, Ehrenberg, V., S. 72ff u.a. [57] Mit „aller Athener“ sind wenigstens die ersten drei Vermögensklassen gemeint. [58] Bleicken, J., S. 45. [59] Siehe u.a. Bleicken, J., S. 143, 145-148. [60] Schuller, Wolfgang: Griechische Geschichte, München 19954, S. 25. [61] Weitere Auswirkungen auf die Gesellschaft werden im folgenden Kapitel zum Heerwesen angesprochen. |
|||
Inhalt
Griechenland Forum
Sie haben Fragen zum Thema Griechenland? - Dann stellen Sie diese doch in einem der folgenden Foren zu den Themen
Tips für Ihren Griechenland Urlaub
|